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Informationsdienst des Netz-werkausschusses Beruf und Weiterbildung des DVV 3 / 97
5. Jahrgang
25.9.97
Inhaltsverzeichnis Herausgeber:

Deutscher Volkshochschul-Verband e.V.
Koordinierungsstelle des DVV-Netzwerks Beruf & Weiterbildung

Hansaallee 150
60320 Frankfurt
Tel.: 069/95626-182,-282 Fax: -283
Email:
passens@t-online.de
Internet:
www.dvv-netzwerk.pair.com
BTX:
*vhs#
Verantwortlich: Bernd Passens
Der Infodienst erscheint in unregelmäßigen Abständen mit vier Ausgaben im Jahr.


Editorial und Aktuelles aus dem Netzwerk

Wie Sie dem Inhaltsverzeichnis entnehmen können, setzt sich dieser Infodienst ausführlich mit neuen Formen des multimedialen Selbstlernens auseinander. Der Infodienst fragte die Leiter der VHS Hagen und der VHS Wolfsburg , ob Selbstlernzentren ein Thema für VHS sind. Lesen Sie hierzu das Interview ab Seite 3. Gute multimediale Software ist teuer. Das DVV-Netzwerk bereitet mit der Firma Prokoda eine Rahmenvereinbarung vor, die es VHS ermöglicht, zu günstigen Preisen Lernsoftware rund um das MS-Office-Paket zu erwerben. Das Netzwerk wird in Kürze alle VHS hierzu informieren. Alle reden vom Telelernen, die VHS Duisburg praktiziert es. Rainer Guttmann, VHS-Abteilungsleiter, berichtet über ein Projekt, in dem Frauen neue Formen des Lernens erproben. Auch der Süden will hier nicht zurückstehen. Der Bayerische VHS-Verband hat mit ausgewählten VHSn eine virtuelle VHS ins Leben gerufen.


Das DVV-Netzwerk ist schon seit geraumer Zeit in T-Online (*vhs#) vertreten. Nun sind wir auch über das Internet erreichbar. (www.dvv-netzwerk.pair.com). Zwar ist noch nicht alles perfekt, aber das Reinschauen lohnt sich. Hier können Sie beispielsweise den Lernzielkatalog zum neuen bundesweit anerkannten Lehrgang Büro- und Telekommunikation (Online-Führerschein) oder die aktuellen Ausgaben des Infodienstes abrufen. Selbstverständlich können Sie über das Internet auch den neu erstellten Leitfaden für Kursleiter und Organisatoren zum Konzept Büro- und Telekommunikation bestellen. (Siehe auch Seite 8 dieses Infodienstes). Die Nachfrage (es liegen schon mehr als 130 Bestellungen vor) nach dem Leitfaden stimmt uns zuversichtlich, daß das Angebot von den VHS akzeptiert wird. Anfang September wurden alle VHS vom DVV-Netzwerk angeschrieben und darüber informiert, wie sie sich via AOL kostenlos an das Internet anschließen können. Vielleicht bewegt die gute Resonanz auf das Angebot auch den Marktführer (T-Online) dazu, den VHS Sonderkonditionen zu erteilen. Wir bemühen uns darum.


Trends im Stellenmarkt

VHS, die eine nachfrage- und kundenorientierte Angebotspolitik in der Weiterbildung favorisieren, werden die Entwicklungen auf dem Stellenmarkt sorgfältig beobachten. Mitarbeiter der Dekra-Akademie analysierten die Stellenanzeigen in überregionalen Zeitungen. Der Infodienst faßt die wichtigen Ergebnisse der Untersuchung zusammen.

Die berufliche Weiterbildung an VHS wird sicherlich nicht unwesentlich von den Entwicklungen auf dem EDV-Markt beeinflußt. Der Infodienst hat deshalb mit besonderem Interesse die Ergebnisse zur Kenntnis genommen, die sich mit den beruflichen Chancen von EDV-Wissen beschäftigten. Zunächst einmal das in dieser Deutlichkeit überraschende Ergebnis vorweg. Die Dekra-Analysten haben im März 1997 sieben überregionale Tages- und Wochenanzeigen untersucht und dabei insgesamt 20.000 Stellenanzeigen ausgewertet. Insgesamt 6.543 Anzeigen hatten einen Bezug zur EDV. Im Klartext: In fast jeder dritten Stellenausschreibung wurden EDV-Kenntnisse erwartet. Schaut man sich die Ergebnisse etwas genauer an, so verstärkt sich ein Trend, der schon seit Beginn der 80iger Jahre zu beobachten war. In nur noch 7,7% aller EDV-Anzeigen werden Großrechnerkenntnisse erwartet. PC-Systeme dominieren eindeutig. Interessant auch, daß Kenntnisse rund um Stand-Alone-PC's mit 66,2% deutlich vor Kenntnissen in Netzumgebungen mit 26,3% dominieren. Die Dekra-Forscher schätzen trotzdem den Netzmarkt als zukunftsträchtig ein. Auch in diesem Bereich scheint der Marktführer mit Riesenschritten auf dem Vormarsch zu sein. Während das Nachfrageverhältnis im November 96 zwischen Windows NT und Novell sich mit 2:1 ausdrücken ließ, steht es jetzt schon 3:1 für Microsoft.

Wie zu erwarten war, verlangen die Betriebe zunehmend Online-Kompetenz von ihren Mitarbeitern. Im Vergleich zum November 1996 stieg die Nachfrage nach Inter- und Intranet um 300%. Neben Grundkenntnissen wird auch Spezialwissen wie HTML gefordert.

Dennoch darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen lassen, daß der Löwenanteil der geforderten Kenntnisse auf den Standardsoftwarebereich entfällt. So beziehen sich z.B. mehr als 2400 Anzeigen auf die Textverarbeitung. Microsoft Winword liegt mit einem Anteil von 95,7% unangefochten an der Spitze.

Im Bereich der kaufmännischen Software hat die Firma SAP eine ähnliche Position wie Microsoft. Mehr als 70% aller Anzeigen in diesem Bereich beziehen sich auf Produkte der Walldorfer. Am stärksten werden Kenntnisse im Bereich der SAP-Module Finanz- und Rechnungswesen nachgefragt. Auch die Controlling-Software liegt gut im Rennen.

Zum Abschluß seien noch einige globale Tendenzen erwähnt: Die Dekra-Forscher haben den Stellenmarkt in acht Berufsfelder (Infrastruktur, Service, Büro, Erzeugung, Verarbeitung, Entwicklung, Beratung, Management) aufgeteilt und untersuchen fortlaufend wie sich die Stellennachfrage in diesen Bereichen entwickelt. Für das 2. Quartal 1997 (12000 Stellenangebote) ergibt sich folgendes Bild. Es dominieren Angebote aus den Berufsfeldern Beratung, Entwicklung, Service und Büro. Diese vier Bereiche repräsentieren allein 73% aller Stellenangebote. Allerdings konnten die Berufsgruppen Verarbeitung, Erzeugung und Infrastruktur im Vergleich zum ersten Quartal 1997 um 4% zulegen. An der Spitze liegt mit 27,7% aller Nachfragen das Berufsfeld Beratung. Das ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, daß die Dekra-Analysten zu diesem Sektor auch den Vertrieb zählen.

An zweiter Stelle steht mit 16,52% aller Stellenangebote der Servicebereich. Innerhalb dieses Bereichs dominieren Gesundheitsberufe (Krankenschwestern, AltenpflegerInnen, ArzthelferInnen). An zweiter Stelle rangieren Angebote für Betreuungspersonal im Hotel- und Gaststättenbereich.

Ein konstant hohe Nachfrage zeichnet auch den Bereich Entwicklung aus, der mit 15,3% an dritter Stelle steht. Hier dominieren DV-Spezialisten und Anwendungsberater.

Quelle: Dekra Akademie (HRSG.), T.I.S Trends im Stellenmarkt, 1. und 2. Quartal 1997


Selbstlernzentren: Ein Thema für Volkshochschulen?Volkshochschulen?

Schon seit geraumer Zeit werden Selbstlernzentren im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung genutzt. Es ist zu beobachten, daß sich nun auch zunehmend VHS mit der Frage beschäftigen, ob Angebote zu dieser neuen Form des Lernens eingerichtet werden sollen. Der Netzwerk-Infodienst sprach mit zwei VHS-Leitern über ihre Erfahrungen.

Infodienst:

Selbstlernzentrum einzurichten? Herr Schmidt und Herr Nestmann, warum haben Sie sich dazu entschlossen, ein

Werner Schmidt, Leiter der VHS Wolfsburg (Nds):

in der innerstädtischen Fortbildung. Viele städtische Mitarbeiter wünschten individuell auf ihre Situation zugeschnittene Lernzeitfenster, insbesondere für Übungsphasen. Die Verantwortlichen in der Stadt hatten anfangs überlegt, das große VW-Selbstlernzentrum zu nutzen. Da sind wir auf den Plan getreten und haben gesagt, daß wir in der VHS auch so ein Zentrum einrichten und betreiben können. Seit Beginn dieses Jahres steht nun unser Lernzentrum allen Lernwilligen offen. Die VHS Wolfsburg engagiert sich stark

Jürgen Nestmann, Leiter der VHS Hagen (NRW):

daß die Nachfrage nach unseren Sprachenangeboten stagnierte. Hinzu kam, daß aus meiner Sicht die methodisch-didaktische Entwicklung in diesem Bereich zu wenig innovativ war. Meiner Hoffnung war also, daß wir durch die Einrichtung von Selbstlernmöglichkeiten Innovationen im Sprachenbereich initiieren konnten.Wir mußten vor geraumer Zeit feststellen,

Infodienst:

Können Sie kurz etwas zur Ausstattung und zu den Kosten sagen?

Werner Schmidt:

Wir haben sechs Arbeitsplätze mit Multimedia-Pentium-PC's eingerichtet. Jeder Arbeitsplatz ist individuell und hochwertig eingerichtet und von den anderen Arbeitsplätzen abgeschirmt. Wir haben sogar einen Akustiker hinzugezogen, der eine Schalldämmung in die Decke unseres Zentrums eingebaut hat. Der Lerner kann so ungestört sein Lernpensum bewältigen. Selbstverständlich steht auch jederzeit Beratungspersonal zur Verfügung. Insgesamt haben wir ca. 60.000 DM in die Ausstattung investiert.

Jürgen Nestmann:

Unser Lernzentrum, das wir vor zwei Jahren eingerichtet haben, verfügt über acht vernetzte Pentium-Rechner. Die Softwarebibliothek halten wir auf einem Server vor. In Zukunft wollen wir auch in unseren Zweigstellen und in der Stadtbibliothek weitere Lernplätze installieren. Die notwendige Betreuung des Lernzentrums wird von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter und einer Verwaltungsfachkraft sichergestellt. Die 1,5 Stellen werden über ABM finanziert.

Infodienst:

Welche Lernfelder decken Sie mit ihrem Angebot ab?

Werner Schmidt:

Wir engagieren uns vornehmlich im EDV-Bereich. Hier stehen natürlich Angebote im Umfeld der Microsoft Office-Palette im Vordergrund. Wichtig ist, daß wir hier interaktive Lernprogramme anbieten können, die sowohl Einsteiger- als auch Fortgeschrittenenwissen vermitteln. Neben diesen klassischen Büroanwendungen kann man bei uns aber auch lernen, was das Internet ist und wie man es nutzt. Demnächst werden wir zusätzlich Sprachtrainings im Bereich Spanisch und Englisch anbieten.

Jürgen Nestmann:

Der Schwerpunkt unseres Angebots liegt im Sprachenbereich. Bei uns kann man vor allem Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch lernen. Während wir uns anfangs auf den Sprachenbereich konzentriert haben, können Lerner neuerdings auch andere Bereiche belegen. So können Sie bei uns EDV-Trainings zur Microsoft-Palette oder zu Produkten der Firma SAP belegen. Wir bieten mittlerweile sogar ein Online-Moderatorentraining an.

Hier wollen wir noch weitergehen. Wir wollen ein sehr breites Angebot an Selbstlernmöglichkeiten vorhalten. Dennoch dominiert der Sprachenbereich mit ca. 80% das Angebot. Ausweiten wollen wir aber auch spezifische Angebotsformen. Selbstlernsoftware eignet sich hervorragend für Trainings- und Übungsphasen sowie zur Nachbereitung von Lernstoffen. Wir haben deswegen im Rahmen der innerstädtischen Fortbildung ein Programm des nachholenden bzw. ergänzenden Lernens entwickelt. So können z.B. Kollegen aus der Stadtverwaltung, die bei uns "gewöhnliche" Office-Kurse besucht haben, zu bestimmten Lernzeiten den Lehrstoff wiederholen und vertiefen.

Infodienst:

Woher beziehen Sie die Lernsoftware?

Werner Schmidt:

Wir setzen hauptsächlich Microsoft-Lernsoftware ein.

Jürgen Nestmann:

Wir setzen qualitativ hochwertige Produkte der Firma NETG ein. Allerdings muß ich sagen, daß wir Teile der Ausstattung auch über einen Landeszuschuß finanzieren konnten. Unsere Softwarebibliothek hat einen Wert von ca. 80.000 bis 100.000 DM.

Infodienst:

Konkurriert das Angebot im Lernzentrum nicht mit Ihrem "traditionellen" Angebot ...

Werner Schmidt:

Nein, überhaupt nicht. Das Selbstlernangebot erweitert die Lernmöglichkeiten in unserer Einrichtung. Hinzu kommt, daß unsere Teilnehmer erst allmählich diese neuen Lernmöglichkeiten nutzen. Das Angebot im Selbstlernzentrum kann daher überhaupt nicht unseren anderen Kursen Konkurrenz machen. Interessant finde ich, daß in letzter Zeit das Interesse der Firmen an unserem Lernangebot zunimmt. Die Unternehmen wünschen insbesondere Konzeptionen, die "klassische" Präsenzlernphasen mit Selbstlernphasen verbinden.

Jürgen Nestmann:

Ich sehe keine Konkurrenz zu unserem normalen Programm. Grundsätzlich muß ich sagen, daß viele Teilnehmer weiterhin unser "traditionelles" Programm bevorzugen werden. Hier gibt es noch erhebliche Schwellenängste gegenüber neuen Lernformen. Zudem möchte ich ausdrücklich betonen, daß wir das Selbstlernen - insbesondere im Sprachenbereich - als ein ergänzendes Angebot betrachten. Dies schlägt sich auch in unserer Konzeption nieder. So haben wir Kurse entwickelt, die Selbst- und Gruppenlernen kombinieren. Heute sind wir soweit, daß alle Kursteilnehmer unser normalen Sprachkurse auch einmal in unserem Selbstlernzentrum gelernt haben.

Infodienst:

... und wie wird das neue Lernangebot nachgefragt?

Werner Schmidt:

Sicherlich darf man hier nicht mit kurzfristigen Erfolgen rechnen. Man braucht mindestens ein bis zwei Jahre Anlaufzeit bis diese neuen Unterrichtsformen akzeptiert werden.

Jürgen Nestmann:

Das kann ich bestätigen. Uns stimmt allerdings zuversichtlich, daß wir seit zwei Jahren kontinuierlich steigende Lernerzahlen haben.

Infodienst:

Welche unabdingbaren Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Selbstlernzentrum funktioniert?

Werner Schmidt:

Sicherlich müssen unsere Teilnehmer zunächst einmal durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit auf dieses Angebot hingewiesen werden. Nicht zuletzt müssen wir noch stärker unsere Kursleiter informieren, damit diese in ihren Kursen auf die vielfältigen Lernmöglichkeiten im Lernzentrum hinweisen.

Jürgen Nestmann:

An erster Stelle steht für mich der unbedingte Wille der hauptberuflichen VHS-Beschäftigten, diese neuen Wege gehen zu wollen. An zweiter Stelle steht das Durchhaltevermögen. Aus meiner Sicht braucht man mehr als zwei Jahre bis dieses Angebot so angenommen wird, wie wir es uns wünschen.

Ansprechpartner: Jürgen Nestmann, Tel.: 02331/2073198; Werner Schmidt, Tel.: 05361/282966


Frauen und Multimedia. Lernen und Arbeiten in telematischen Netzen

Seit dem 1. November 1996 führt die VHS Duisburg ein vom Land NRW und von der Europäischen Union gefördertes Projekt zum Thema Lernen und Arbeiten in telematischen Netzen durch. Der Netzwerk-Infodienst sprach mit dem zuständigen Abteilungsleiter der VHS Duisburg, Rainer Guttmann, über die bisherigen Erfahrungen.

Infodienst:

Herr Guttmann, der Untertitel Ihres Projekts Frauen und Multimedia lautet Lernen und Arbeiten in telematischen Netzen. Was heißt das?

Rainer Guttmann:

Nun zunächst liefert der Begriff Telematik ja einige Anhaltspunkte. Hierin steckt ja die Verbindung von Informatik und Telekommunikation. In unserem Projekt wollen wir unter realistischen Bedingungen auf Telearbeit vorbereiten. Für uns heißt dies, daß wir diese Fähigkeiten auch unter Nutzung der neuen Methoden des Telelernens vermitteln werden. Ganz konkret meine ich hiermit, daß sämtliche Lernorte per ISDN und Internet miteinander vernetzt sind.

Infodienst:

Welche Ziele verfolgt das Projekt?

Rainer Guttmann:

Der Initiator des Projekts, das ist in erster Linie das Land NRW, will mit dem Vorhaben Innovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen fördern. Wir richten uns deswegen konsequent an diese Zielgruppe, wobei wir vor allem an Betriebe im Dienstleistungssektor denken. Wir werden Frauen so qualifizieren, daß sie ihr Know-how den veränderten technologischen Bedingungen anpassen. Die Frauen erwerben also Telekommunikationskenntnisse unter berufsbezogenen Aspekten. Wenn wir die Inhalte näher betrachten, so beschäftigen sich die Teilnehmerinnen in dem 12 monatigen Lehrgang (500 UE) mit vier Gebieten. Zum einen setzen sie sich mit vernetzten PC-gestützten Arbeitsabläufen im Dienstleistungssektor auseinander. Zum anderen werden Grundlagen der Telekommunikation, der Datenfernübertragung und der Internetnutzung unter berufsbezogenen Aspekten vermittelt. Da die Kommunikation zwischen Kunden und Unternehmen in Zukunft auch über das Internet erfolgen wird, werden auch die Grundlagen des Multimediaeinsatzes und der Präsentation im Internet gelernt. Wichtig ist auch der letzte Punkt: Anhand praxisbezogener Aufgaben soll die Fähigkeit zu Team- und Einzelarbeit gestärkt werden.

Infodienst:

Für unsere Leser sind die von Ihnen gewählten Ausbildungsformen von besonderem Interesse. Können Sie uns kurz erklären, wie wir uns das Telelernen praktisch vorstellen können?

Rainer Guttmann:

Am Beginn der Fortbildung steht eine mehrwöchige Präsenzphase (3 Vormittage pro Woche). In dieser Zeit sollen einerseits die unterschiedlichen Vorerfahrungen der Teilnehmerinnen nivelliert werden und andererseits sollen hier die Grundlagen für selbständiges Telelernen gelegt werden. Neben Schlüsselqualifikationen - wie z.B. effektive Selbstorganisation und selbständige Zielsetzung - werden natürlich auch die technischen Grundlagen für den Umgang mit den neuen Kommunikationsmedien gelegt.

Im Anschluß daran lernen die Teilnehmerinnen zu Hause zu frei gewählten Zeiten. Lernmaterial wird dabei vom zentralen Server des Schulungsnetzes abgerufen. Die Kommunikation mit den Kursleiterinnen und Teletutoren erfolgt via Telefon, electronic mail, per Videokonferenz und über "Application- Sharing-Systeme" (d.i. Software, die über Distanzen zwei Rechner miteinander verbindet. So kann dann z.B.: gemeinsam eine Aufgabe am Bildschirm bearbeitet werden.). Allerdings werden die Teilnehmerinnen einmal in der Woche an einem Vormittag zusammenkommen. Die direkte Rückkoppelung des Lernerfolgs ist für uns sehr wichtig.

Infodienst:

Werden solche neuen Ausbildungs- und Lernformen wirklich gebraucht?

Rainer Guttmann:

Ich kann nur sagen, daß das öffentliche Interesse und die Zahl der Bewerbungen für diese Ausbildung außerordentlich hoch ist. Ein Beispiel mag das belegen: Insgesamt haben wir die Möglichkeit, unsere 12 monatigen Module dreimal (wiederholend) durchzuführen. Pro Modul nehmen wir 16 Teilnehmer auf. Für den ersten Ausbildungsgang hatten wir weit über 50 Interessentinnen. Jetzt beginnt der zweite Kurs, und wir haben wieder mehr als 50 Interessentinnen. Dies führt dazu, daß wir quasi in Form eines Auswahlgesprächs geeignete Teilnehmerinnen aussuchen können.

Infodienst:

Können Sie kurz etwas zur Finanzierung sagen?

Rainer Guttmann:

Wir haben eine Mischfinanzierung durch EU (ESF), Land NRW (Wirtschaftsministerium) und Stadt Duisburg. Das Gesamtfördervolumen beträgt 1,6 Millionen bei 26 Monaten Laufzeit. Die Teilnehmerinnen zahlen an uns keine Gebühr, müssen allerdings die Kosten für einen ISDN-Anschluß und die laufenden Telekommunikationskosten tragen. Die notwendige Hard- und Software und die Lernmaterialien werden vom Projekt leihweise zur Verfügung gestellt. Lernmaterialien sind dabei sowohl die vom Kursleiter per eMail gestellten Aufgaben als auch CD-ROM basierte Selbstlernsoftware. Für den Erwerb der Lernsoftware haben wir übrigens erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt.

Infodienst:

Können Sie heute schon den Maßnahmeerfolg abschätzen?

Rainer Guttmann:

In dieser Phase kann ich sicherlich noch keine endgültigen Urteile abgeben. Aber ich bin sehr optimistisch. Zum einen werden die Teilnehmerinnen sicherlich persönlich sehr von diesem Projekt profitieren und ihre Qualifikationen in einem sehr innovativen Feld stärken. Es gibt auch nennenswerte Anzeichen dafür, daß die Betriebe von der Maßnahme profitieren. So wurden einige Frauen schon vor Ende der Maßnahme in ihren Unternehmen mit Aufgaben betraut, die im Umfeld unseres Lerngegenstandes "Telearbeit, Multimedia" liegen.

Infodienst:

Können Sie schon jetzt absehen, ob Sie die in diesem Projekt gewonnenen Erfahrungen für Ihr Regelangebot nutzten können?

Rainer Guttmann:

Wir haben sicherlich schon jetzt sehr von den Erfahrungen profitieren können. Seit Frühjahr diesen Jahres haben wir einen neuen, sehr umfangreichen Programmteil "Telekommunikation, Datennetze, Multimedia". Ohne dieses Projekt hätten wir unsere Angebote in diesem Bereich nicht so deutlich ausweiten und spezifizieren können.

Ansprechpartner: Rainer Guttmann, VHS Duisburg, Tel.: 0203/283-3725


BVV-Projekt Telelernen / Virtuelle VHS

Der Bayerische VHS-Verband (BVV) führt mit ausgewählten VHS ein Pilotprojekt zum Thema Telelernen durch. Der Infodienst informiert über Hintergründe.

Der BVV wird in Zusammenarbeit mit den VHS im Lkr. Cham, Deggendorf, Freyung-Grafenau, Hof, Mühldorf und Waldkraiburg pilothaft Modelle des Telelernens im EDV-Sektor ausloten. Das Vorhaben wird aus Mitteln des bayerischen Kulturfonds und des ESF (5b) gefördert. Inhaltlich unterscheidet das Projekt zwei Lernbereiche. Im ersten Teil wird den Anwendern eine Online-Kompetenz vermittelt. Basis hierfür ist der neue bundesweit abgestimmte Lehrgang Büro- und Telekommunikation. Während dieser Teil vornehmlich auf Präsenzlehrverfahren setzt, vermittelt der zweite Teil online Kenntnisse im Umfang des bayerischen Computer- bzw. Anwenderpasses II. Das Projekt wird in Kooperation mit der Firma ets durchgeführt, die auch an der Entwicklung der Online-Lernmaterialien beteiligt war.

Ansprechpartner: Otto Löffelmann, Bayerischer VHS-Verband, Tel.: 089/51080-13.


Nachrichten, Tips, Lesenswertes


BIBB-Broschüre "Multimediales Lernen in Berufsbildung"

Über das BIBB ist die Broschüre Multimediales Lernen in Berufsbildung, Ergebnisse, Veröffentlichungen und Materialien aus dem BIBB (Stand April 1997) zu beziehen. Der Sammelband skizziert die Auswirkungen des Multimediaeinsatzes auf die Berufliche Weiterbildung, untersucht die Effizienz der neuen Lerntechnologien und beschreibt erfolgreiche Lernarrangements für das "Neue Lernen".

Quelle: BIBB, Bundesinstitut für Berufsbildung, Berlin, Tel.: 030/8643-0, Fax: 030/8643-2455

CD-ROM zur gesunden Bildschirmarbeit

Seit Dezember 1996 ist die neue Bildschirmarbeitsverordnung in Kraft, die neue Anforderungen an die Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen stellt. Das Bundesministerium f. Arbeit bietet eine CD-ROM an (Schutzgebühr 10 DM), die interaktiv aufbereitete Infos zur Bildschirmarbeitsplatzgestaltung liefert.

Quelle: Bundesminist. für Arbeit ..., Referat Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: 0228/527-1111, Fax: 0180/5151511

Qualitätssicherung durch Qualitätsmanagement

Im Rahmen des BIBB-Modellversuchs Integrative Qualifikationen für integrative Qualitäts-Sicherungs-Systeme wurden vier Argumentationsleitfäden (Wer aufhört, besser zu werden..; Betriebliche Schwachstellenanalyse...; Mitarbeiterbeteiligung als Organisationsprinzip sowie Mitarbeiterqualifizierung für Qualitätsmanagement-Systeme...) entwickelt. Die Hefte sind zum Gesamtpreis von 39 DM zu beziehen. Zusätzlich wurden innerhalb des Projekts Fortbildungsmodule entwickelt. Interessant ist das Modul "Handlungsanleitung für Moderatoren zur Durchführung einer betrieblichen Weiterbildung" (19 DM), das künftigen Moderatoren Material zur Selbstqualifizierung im Bereich der Qualitätssicherung bietet.

Bestelladresse: W. Bertelsmann Verlag, Tel.: 0521/91101-0, Fax: 0521/91101-79

Nachfragen zum Modellversuch, BIBB, Frau Alt, Tel.: 030/86432350

Werbematerialien für die Berufliche Weiterbildung

Über das DVV-Netzwerk sind folgende Materialien zu beziehen: Die Imagebroschüre zur Beruflichen Bildung sowie die Plakate (Format A2) "Unser Ziel ist Ihr Erfolg", "Das Programm mit Profil" und "Wir machen Ihre Leute fit". Die Plakate entsprechen im Layout der Imagebroschüre. Der VHS-LV Niedersachsen bietet nun zusätzlich eine hochwertige Einlegemappe (A4) an, deren Outfit ebenfalls mit der Imagebroschüre übereinstimmt. Ähnlich handelte auch der LV NRW, der Werbeplakate und Leporellos für die EDV-Anwenderpässe im bundesweiten Design entwickeln ließ. Erinnert sei auch daran, daß der Herdt-Verlag darauf abgestimmte TN-Unterlagen herausgibt.

Bezug: LV Nds., Niels Mauermann, Tel.: 0511/34841-0; LV NRW, Udo Schneidereit, Tel.: 0231/952058-0

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen im ersten Quartal 1997 deutlich rückläufig

Nach Aussagen der Bundesanstalt für Arbeit hat die Berufliche Weiterbildung im Rahmen des AFG weiter an Bedeutung verloren. In den ersten vier Monaten diesen Jahres begannen 104.100 Personen eine berufliche Fortbildung, Umschulung und betriebliche Einarbeitung. Dies sind 40.400 weniger als im Vorjahr. Entsprechend nahm auch der Bestand ab. Mit 264.400 liegt er um 59.000 unter dem Vorjahresmonat (Bezug April 96). Während die Förderung der Beruflichen Rehabilitation auf Vorjahresniveau verharrt, werden deutlich weniger Deutsch-Sprachlehrgänge gefördert. 26.400 Spätaussiedler und Asylberechtigte begannen jetzt einen solchen Kurs. 6100 weniger als im Vorjahr.

Quelle: Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit, 45 Jahrgang, Nummer 5, 30.5.1997

Bedarfsanalyse Berufliche Weiterbildung der VHS Papenburg

Die VHS Papenburg hat eine Bedarfsanalyse (Ergebnisse u. methodischer Leitfaden) beruflicher Weiterbildung erarbeitet. Der Leitfaden und die Analyse sind so aufbereitet, daß sie auch für andere VHS geeignet sind. Leitfaden, Bedarfsanalyse und Disketten (Excel-Musterdateien) werden zum Preis von 50 DM angeboten.

Bezug: VHS Papenburg, Werner Sabisch, Tel.: 04961/82219, Fax: 04961/82314

Softwarekatalog: CD-ROMS für das Wissen

Die JSW Medien GmbH gibt einen Softwarekatalog (kostenlos) heraus, der über 1000 Titel zu unterschiedlichen Bildungsthemen auflistet. Der Katalog bietet u.a. einen Überblick (Kurzbeschreibung) über multimediale Sprach- und EDV-Kurse.

Quelle: JSW Medien GmbH, Tel.: 030/78702379, Fax: 030/78702380

Broschüre "Finanzielle Förderung von Umschulung und Förderung"

Die Arbeitskammer des Saarlandes bietet die o.g. Broschüre zum Preis von 10 DM an. Die Broschüre informiert über (AFG-) Fördermöglichkeiten und richtet sich an von Arbeitslosigkeit bedrohte bzw. arbeitslose ArbeitnehmerInnen sowie an Betriebs- und Personalräte.

Bezug: Arbeitskammer des Saarlandes, Tel: 0681/4005-200, Fax: 0681/4005-205

Anforderungskatalog an Bildungsträger der Beruflichen Fortbildung

Die Bundesanstalt für Arbeit hat 1996 einen Runderlaß mit dem o.g. Titel veröffentlicht, der ab 1.1.97 anzuwenden ist. Das Papier kann über den LV Niedersachsen bezogen werden.

Quelle VHS Informationen, Nr. 2. 1997, Bezug: LV Niedersachsen, Tel.: 0511/34841-30 bzw. -27

Benchmarking für Bildungseinrichtungen

Bislang wurde Benchmarking (Motto: Lerne von den Besten) insbesondere im Industrie- und Dienstleistungsbereich angewandt. Aber auch in der Weiterbildung wird dem Benchmarking mittlerweile vermehrt Beachtung geschenkt. Die Qualidata GmbH entwickelte eine Datenbank, die Bildungseinrichtungen eine systematische Schwachstellenanalyse ermöglicht. Das Konzept des anonymen datenbankgestützten Betriebsvergleichs setzt auf außen gestützte Selbstevaluation. Die beteiligten Einrichtungen speisen anhand einer Checkliste qualitätsrelevante Daten in die Datenbank ein und bekommen auf Basis eines Vergleichs mit anderen Unternehmen eine Stärken-Schwächen-Analyse.

Quelle: Qualidata GmbH, Nürnberg, Frau Lehnerer, Tel.: 0911/2022750, Fax: 0911/2022777

DVV-Netzwerk und Kooperationspartner bieten an:

Die Firma ets bietet die KHK Classic-Line 8.0 und 97 (Stand-Alone u. Netzversion für unbegrenzte Teilnehmerzahl!!) für 460 DM als Standortlizenz an, d.h. für 460 DM wird die KHK-Software auf alle VHS-Rechner installiert. Umsteiger auf die 97-Version zahlen 230 DM (inkl. Wartung!). Die Produkte kosten für die VHS-Verwaltung (Netzversion für unbegrenzte Teilnehmerzahl!!) 1590 DM. Über das DVV-Netzwerk kann neben den auf Seite 7 genannten Werbematerialien auch der Leitfaden für Kursleiter und Organisatoren zum neuen bundesweiten Lehrgang Büro- und Telekommunikation bezogen werden. Der Leitfaden (Umfang ca. 60 Seiten, 25,80 DM) enthält den Lernzielkatalog, die Kursankündigung, einen detaillierten Kursablaufplan, Hinweise zur Raumausstattung (z.B. Vorstellung eines Internetanschlusses über Linux), methodische Hinweise, einen Vorschlag für einen Internetkurzkurs (Wochenendkurs), Webadressen, Literatur- und Materialhinweise.

Quelle: KHK-Produkte: ets GmbH, Herr Karrasch Tel.: 08368/9104-0, Fax: 08368/9104-10


rstellt von Doris Hirschmann, konvertiert in HTML Dipl.Ing.FH. Jörg Bucher
am 30.09.1997,