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Informationsdienst des Netz-werkausschusses Beruf und Weiterbildung des DVV 3 /98
7. Jahrgang
12.10.98
Inhaltsverzeichnis Herausgeber:
Deutscher Volkshochschul-Verband e.V.
Koordinierungsstelle des DVV-Netzwerks Beruf & Weiterbildung

Hansaallee 150
60320 Frankfurt
Tel.: 069/95626-182,-282 Fax: -283
Email:
passens@dvv-netzwerk.de
Internet:
www.dvv-netzwerk.pair.com
Verantwortlich: Bernd Passens
Der Infodienst erscheint in unregelmäßigen Abständen mit vier Ausgaben im Jahr.


Editorial und Aktuelles aus dem Netzwerk

Die von den VHS-Landesverbandsreferenten getragene Fachgruppe Harmonisierung hat unterschiedliche Projekte und Dienstleistungen auf den Weg gebracht. Zum einen gibt es nun auf den Lehrgang Büro- und Telekommunikation abgestimmtes Teilnahmematerial, das über die Firma Educon/Schlötel zu beziehen ist. Das schon im letzten Infodienst angekündigte neue Lehrgangskonzept "Online-Publishing" steht kurz vor der Fertigstellung. Noch im Oktober werden die Rahmenpläne für den Aufbaulehrgang verabschiedet. Neben den Rahmenplänen wurde für Teilnehmende auch innovatives Kursmaterial auf CD-ROM entwickelt (siehe hierzu auch S. 8). Auf Initiative der Berliner VHSn Schöneberg und Neukölln wurde die Entwicklung eines bundesweiten EDV-Kurskonzept zum Thema Präsentation (mit Powerpoint) angeregt. Hierzu liegt jetzt ein ausgezeichneter Leitfaden für Kursleitende und Organisatoren vor, der über das DVV-Netzwerk bezogen werden kann. Neu eingerichtet wurde eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema CAD beschäftigen soll. Ziel ist es, neue bundesweit gültige aktualisierte Rahmenpläne zu entwickeln.

Das Thema SAP als VHS-Kursangebot spielt weiterhin eine Rolle. Zum einen haben jetzt einige VHS das Angebot von NETG genutzt und SAP-Selbstlernsoftware bestellt. Zum anderen soll aber auch den VHS, die mit Originalsoftware arbeiten wollen, eine Perspektive geboten werden: Im Oktober 98 werden Pilotkurse an einer Berliner VHS abgeschlossen sein. Dann wird sich herausstellen, ob auch im Bereich des Lernens mit Originalsoftware ein für VHS bezahlbarer Weg gefunden wurde.

Ab dem 15.1.99 beginnt das neue Anerkennungsverfahren für "Microsoft anerkannte VHS". Die Anerkennungskriterien bleiben im wesentlichen unverändert bzw. werden angepaßt. So wird eine aktuellere Hardware- und Softwareausstattung verlangt. Zudem muß jede VHS einen eigenen MCP als Kursleiter verpflichten. Ein Kursleiter darf also nicht der MCP für mehrere VHS sein. Nähere Infos ab Mitte Oktober beim Netzwerk.

VHS-Trends in der beruflichen Weiterbildung

Das Wintersemester hat begonnen und es ist mittlerweile gute Tradition geworden, daß der Infodienst Fachbereichsleitende aus der ganzen Republik zu aktuellen Trends im laufenden Semester befragt.

Ralph Hahnke, Norderstedt

Eigentlich laufen zur Zeit bei uns alle Kurse im EDV-Bereich gut. Wobei natürlich immer wieder mal ein Kurs ausfallen kann. Grundsätzlich gilt auch, daß wir bei den kompakten Angeboten noch mehr machen könnten. Insbesondere könnten wir unsere Wochenendangebote und kompakten Tageskurse noch ausweiten. Der Abendbereich spielt bei uns keine große Rolle mehr. Wenn ich mir die Themen anschaue, dann laufen bei uns die Einstiegskurse weiterhin gut. Eine gute Nachfrage haben wir auch nach Windows NT-Kursen. Hier sind auch Angebote für Fortgeschrittene wie unser NT-Administrator gut nachgefragt. Nach wie vor werden auch die Kurse rund um die Office-Schiene gut angenommen. Ebenso gut laufen auch die Internetkurse. Besonders hervorheben möchte ich noch unsere Spezialangebote für Firmen, die eine immer bedeutendere Rolle spielen. Diesen Bereich haben wir in den letzten fünf Jahren systematisch auf- und ausgebaut. Hier setzen wir Mailings gekoppelt mit telefonischen Nachfragen zur systematischen Einwerbung von Aufträgen ein.

Enttäuschend für uns ist, daß wir nicht so stark wie gewünscht unsere Anwenderpaßprüfungen ausbauen können.

Petra Tenbrink, Köln

Es ist nicht weiter verwunderlich, daß bei uns die Kurse zu älteren Softwareprodukten der DOS-Schiene nicht mehr laufen. Ebenso haben wir Schwierigkeiten Kurse zu EDV-Spezialthemen und zu Aufbaukursen zu füllen. Wohingegen die Kurse zum PC-Anwendungsberater und zum Netzwerkkoordinator (Prüfungslehrgänge der WBT, Frankfurt) auf großes Interesse gestoßen sind. Erstaunlich bei uns, daß der Kurs zum Anwenderpaß Textverarbeitung abgesetzt werden mußte, während die entsprechenden Module zur Tabellenkalkulation und zum Datenbankbereich zustande kommen. Auch der im DVV-Netzwerk entwickelte Online-Führerschein wird gut angenommen. Gut laufen auch HTML-Kurse, C-Programmierung und Visual-Basic.

Wenn ich an die Kursformen denke, kann man sagen, daß sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzt: je kompakter je besser. Am besten laufen die Kurse die über eine Woche jeden Abend ein Thema bearbeiten. Da könnten wir unser Angebot noch deutlich ausbauen. Ebenso gut laufen die Kompaktkurse über eine Woche am Vormittag für Frauen. Auf eine interessante Sache möchte ich noch hinweisen. In unserer Stadt hat der Betriebsrat der Einstellung von ABM-Kräften zu den reduzierten Tarifen nur zugestimmt, wenn diese Personen 20% ihrer Arbeitszeit für Qualifizierung aufwenden können. Diese Qualifizierung wird in starkem Maße von der VHS durchgeführt. Die Kurspalette reicht hier von Deutsch als Fremdsprache bis zu Bewerbungs- und EDV-Kursen oder der Potentialanalyse für die Arbeiter im Grünflächenbereich.

Ekkhard Bender, Berlin-Schöneberg

Gut laufen die Grundlagenkurse und Angebote der Office-Schiene. Internetkurse laufen in jedweder Form gut. Die Palette der Kurse reicht hier vom Online-Führerschein, über Kurse zur Gestaltung von Internetpräsentationen bis zu Veranstaltungen, die Fragen der Team- und Telearbeit behandeln. Die Angebote zur persönlichen und sozialen Kompetenz (Mind-Mapping, Moderation etc.) werden gut angenommen. Hier ist aber die Qualifikation der Kursleiter von entscheidender Bedeutung. Im kaufmännischen Bereich kommen eigentlich unsere Datevseminare zur Finanzbuchführung immer zustande. Hier ist durch die Umstellung von DOS auf Datev-Windows-Software sicherlich mittelfristig eine konstante Nachfrage gegeben. Hervorheben möchte ich noch, daß wir in Kooperation mit dem DVV-Netzwerk erstmalig einen zweiwöchigen Pilotkurs zur Arbeit mit Original-SAP-Software durchgeführt haben. Trotz der nicht gerade geringen Gebühr von über 1000 DM war der Kurs schnell ausgebucht. Generell muß man sagen, daß wir Probleme mit Kursen haben, wo der Berufsbezug nicht ganz deutlich wird. Hier kommen der Ausschreibung und dem Kurstitel eine ganz entscheidende Bedeutung zu.

Jan Schluckebier, Saarbrücken

Also, um es kurz zu sagen, im EDV-Bereich läuft einfach alles. Das ist uns noch nie passiert. Hervorheben möchte ich besonders unsere beiden großen Lehrgänge, Netzwerkkoordinator und Systembetreuer. Beim 240 UE umfassenden Systembetreuer haben wir eine ausgesprochen gute Nachfrage. Der Lehrgang ist als Abendkurs (2 x wöchentlich) in Kombination mit Wochenendterminen konzipiert. Sorgenkind waren CAD-Kurse, die nun aber auch gut laufen. Einen Boom verzeichnen wir erstaunlicherweise im Bereich Programmierung. So sind unsere Kurse zu C, C++, Java, Visual Basic ausgebucht. Unsere Kunden melden sich jetzt schon für Aufbaulehrgänge im nächsten Jahr an. Zum ersten Mal bieten wir auch einen SQL-Server-Kurs an, der wohl auch laufen wird. Nicht verwunderlich ist sicherlich, daß Internetkurse laufen und auch Grundlagenkurse. Gerade bei den Grundlagenkursen beobachten wir allerdings, daß sich der Altersschnitt der Kursteilnehmer zunehmend nach oben bewegt. Da scheint doch die schulische Vorbildung für die Jüngeren langsam zu greifen. Schlecht laufen unsere SPS-Lehrgänge und der klassische kaufmännische Bereich. In diesem Angebotssegment haben wir aber auch starke Konkurrenz vor Ort. Interessant ist auch, daß wir wieder ein Revival bei den einwöchigen Bildungsurlauben haben. Bis Weihnachten werden wir wieder 30 Bildungsurlaubsveranstaltungen durchführen. Ebenso boomen unsere Firmenkurse, besonders im Versicherungsbereich. Die Mitarbeiter dieser Unternehmen brauchen ganz schlicht Textverarbeitungs- und Excelkenntnisse.

Steffen Bloßfeld, Dresden

Leider laufen längerfristige Kurse bei uns nicht. Im kaufmännischen Bereich werden Buchführungskurse incl. Prüfung zufriedenstellend nachgefragt. Management- und Rechtsthemen werden dagegen kaum noch gewünscht. Tastschreiben am PC und an der Schreibmaschine läuft so gerade noch. Sehr zufrieden bin ich mit dem EDV-Angebot. Besonders mit den Grundlagenkursen EDV und Win95 und dem Internetbereich. Leider wird das umfangreiche Modul Büro- und Telekommunikation mit 40 UE nicht gewünscht. Allerdings bemerken wir diesen Trend zur Belegung kürzerer Kurse im Umfang von ca. 20 UE auch in anderen Segmenten. Beliebt sind hier unsere Wochenendkurse und die 6-8 wöchigen Abendkurse mit zwei Terminen in der Woche. Novell-Kurse tun sich schwer, hingegen steigt die Nachfrage nach NT (Administrator und Workstation) rapide an. Die Nachfrage nach Spezialthemen (z.B. Serienbriefe), die in kleineren Lerngruppen kompakt bearbeitet werden, steigt ebenso an. Diese Themen stoßen gerade auch bei Firmen auf Resonanz. Aufgrund des guten Zuspruchs zu unseren Firmenkursen werden wir unser Angebot in diesem Segment zukünftig deutlich ausweiten. Erstaunlich für mich ist auch, daß die Programmierkurse (Java, Visual Basic) wieder deutlich mehr Zuspruch finden.

Leo Dietrich, Weiden

Die frei ausgeschriebenen Langzeitkurse ab 120 UE kann ich kaum mehr an den Mann bringen. Dagegen boomen die kurzzeitigen Firmenschulungen zu Themen rund um die Microsoft Office-Palette, die natürlich auch auf dem freien Markt gut angenommen werden. Der AFG-Sektor hat sich bei uns erfreulich stabilisiert. Gerade hat der Lehrgang CAD-Fachmann begonnen. Es ist unser 5. Lehrgang. In Kürze beginnt unser Grundausbildungslehrgang (Kaufm., Wirtschaft und Verwaltung) in doppelter Ausführung. Wohl eher als Strohfeuer betrachte ich die AFG Plus bzw. SGB III Plus Maßnahmen für Aussiedler, die wir aber trotzdem gerne durchführen. Interessant noch, daß unsere Teilnehmer die klassischen Abendkurse mit zwei Terminen pro Woche lieber belegen als die kompakten Wochenendkurse. Abschließend möchte ich noch bemerken, daß wir für den Kurs "PC für Kids" schon Wartelisten anlegen mußten.

Ansprechpartner: Bernd Passens, DVV-Netzwerk, Tel.: 069/95626182

Aufstiegsweiterbildung leicht rückläufig

Nach einem Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft haben 1996 183000 Männer und Frauen ihren Abschluß als Meister, Techniker oder Fachwirt gemacht. Die Zahlen sind verglichen mit den vergangenen Jahren rückläufig.

Betrachtet man die Situation der Kammerfortbildungen, so ergibt sich folgendes Bild: Im Jahr 1996 bestanden 123000 Teilnehmer die Meisterprüfung - das waren 7000 weniger als 1995 und sogar 20.000 weniger als 1994. Will man eine "Hitliste" der beliebtesten Abschlüsse aufstellen, ergibt sich bei Männern und Frauen ein durchaus unterschiedliches Bild. Bei den Männern steht der Kraftfahrzeugmechanikermeister mit 5.284 Prüfungen an der Spitze gefolgt vom Industriemeister Metall (4.688), dem Elektroinstallateurmeister (4.424), dem Tischlermeister (2.958) und dem Gas- und Wasserinstallateurmeister (2.473). Bei den Frauen steht die Fachkraft für Maschinenschreiben mit 3.180 Prüfungen ganz oben. Danach folgen die Finanzbuchhalterin (2.829), die Friseurmeisterin (2522), die Fremdsprachenkorrespondentin (2.092) und die Bankfachwirtin (1.837).

Insgesamt ist ein deutlicher Anstieg der Prüfungen im Dienstleistungsbereich zu verzeichnen. Mittlerweile absolviert jeder zweite eine Prüfung in diesem Bereich. Das Institut der deutschen Wirtschaft untersucht auch die Fortbildungen an Fachschulen. Diese führen unter anderem zum Titel staatlich geprüfter Betriebswirt oder Techniker. Im Jahr 1996 haben gut 60.000 Kursteilnehmer ein entsprechendes Diplom erworben. Allerdings sind in dieser Zahl die Prüfungen zum Erzieher, Altenpfleger und Sozialpädagogen enthalten, die eher der Erstausbildung zuzuordnen sind. Auch die Fachschulen verzeichnen einen Rückgang der Absolventenzahlen. Im Jahr 1995 verliehen sie bundesweit noch 65000 Diplome, 1994 waren es sogar 71000 Diplome. Insgesamt haben 1996 rund 183000 Männer und Frauen eine Aufstiegsfortbildung erfolgreich absolviert - 12000 weniger als im Jahr zuvor. Nach Ansicht des Instituts der deutschen Wirtschaft wäre der Schluß, daß die Investition in das Humankapital heute weniger attraktiv ist und lohnend ist als früher, voreilig. Vielmehr gibt es für die rückläufige Entwicklung plausible Gründe: so werden an erster Stelle demographische Entwicklungen ins Feld geführt. Danach entstammen die jetzt in die Fortbildung strebenden Teilnehmer geburtenschwachen Jahrgängen. An zweiter Stelle wird auf den Boom nach der Wiedervereinigung verwiesen. Dieser Effekt läßt nun deutlich nach, da mittlerweile die neuen Länder deutlich aufgeholt haben. Interessant ist das dritte ins Feld geführte Argument. Danach schränkt der Abbau von Hierachieebenen in vielen Betrieben die Karrierechancen von Meistern tendenziell ein. Problematisch ist auch die Umstellung der Förderpolitik. So erhalten die Teilnehmer anstelle von Zuschüssen zu den Teilnahmekosten inzwischen nur noch ein Meister-Bafög - also einen einkommensabhängigen Zuschuß bzw. ein Darlehen. Im Jahr 1997 wurden 37.000 Anträge bewilligt mit einem durchschnittlichen Förderbetrag von ca. 1000 DM. Davon wurden 270 DM als Zuschuß und 730 DM als Unterhaltsdarlehen gezahlt. Demgegenüber betragen allein die Kursgebühren ohne Ausgaben für Lernmaterialien, Unterbringungs- und Fahrtkosten zwischen 5.000 und 10.000 DM. Hinzu kommt, daß sich der Strukturwandel auch in der Aufstiegsweiterbildung niederschlägt - und die klassische Klientel aus Handwerks- und Fertigungsberufen ins Hintertreffen gerät. So war, wie schon oben erwähnt, 1996 jeder zweite Absolvent einer Fortbildung ein Dienstleister. 1994 waren es erst 44%. Nach wie vor ist die Aufstiegsfortbildung Männersache. Bei den Kammerprüfungen sind zwei Drittel der Absolventen männlich, bei den Fachschulprüfungen immerhin noch 55%. Das könnte sich aber in naher Zukunft ändern. Denn während die Frauen in den Fertigungsberufen einen Anteil von 5% ausmachen, stellen sie mit 66 bzw. 85% Prozent in den Dienstleistungs- und Sozialberufen das Gros.

Quelle: Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft, Heft 34 vom 20 August 1998

Lernen mit neuen Medien

P. Littig hat in einer Studie für die Dekra Akademie "Die Klugen fressen die Dummen" deutsche und österreichische Unternehmen nach Hindernissen auf dem Weg zum lernenden Unternehmen befragt. Neben der Erkenntnis der Personalverantwortlichen, daß die klassischen Präsenzseminare an Boden verlieren werden, wurde deutlich, daß zukünftig neue Lernformen wie Tele- und Multimedialernen zunehmen werden.

Allerdings werden die Chancen der neuen Lernformen dennoch nicht durchweg positiv gesehen, wie die Ergebnisse einer von der Dekra-Akademie und der Telekom durchgeführten Fachtagung zeigen. So werden zwar einhellig neue Ansätze in der Umsetzung der Forderung nach lebenslangem und selbstgesteuerten Lernen gesehen. Auf der anderen Seite werden aber auch die Probleme nicht unterschätzt: So wurde gerade beim Telelernen das Fehlen des direkten Kontakts mit anderen Lernenden moniert. Ebenso wurde festgehalten, daß Telelernformen völlig neue Anforderungen an den Lerner und an Lehrende stellt. Der Lehrende muß sich hiernach stärker auf eine Rolle als Coach, Lernberater und Arrangeur von Lernprozessen beschränken. Gerade in Telelernprozessen müssen sich auch Lernende eine neues Rollenverständnis aneignen. Während der Lerner in der Schule häufig dazu erzogen wurde, Fehler als etwas Negatives zu betrachten, die möglichst vertuscht und dem Lehrer nicht mitgeteilt werden, erweist sich ein solches Verhalten in multimedialen Lernumgebungen als kontraproduktiv. Die konstruktive Auseinandersetzung mit Fehlern in einem interaktiven Lernprogramm oder in der Diskussion mit Telelerntutoren ist eine wichtige Voraussetzung für den Lernerfolg. Als großes Manko wurde auf dem Kongress die vorwiegend technische Orientierung der Diskussion um das selbstgesteuerte multimediale Lernen betrachtet. So steht zur Zeit im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen um die Einsatzmöglichkeiten das technisch Machbare und weniger die mediendidaktische Diskussion. Kaum ein Anbieter von Tele- oder Multimedialernformen konnte auf dem Kongress ein aus mediendidaktischer Sicht befriedigendes Curriculum vorlegen. Als Kongressfazit wurde deshalb festgehalten, daß immer noch konkrete mediendidaktische Konzepte Mangelware sind. Trotz dieser Schwierigkeiten - so lautet dann doch noch etwas überraschend die positive Schlußbetrachtung - müssen sich Lehrende, Lernende und Träger mit den neuen Lernformen auseinandersetzen.

 

Das DVV-Netzwerk, einige VHS-Landesverbände und das DIE wollen ihren Teil dazu beitragen, daß diese neuen Lernformen auch im Repertoire der öffentlich verantworteten Weiterbildung eine Rolle spielen. Zum einen liegen schon wertvolle Erfahrungen mit Telelernprozessen im Bereich des Bayerischen VHS-Verbandes vor. Der BVV hat im Rahmen des Computerpasses Telelernformen getestet. Das DVV-Netzwerk hat in Kooperation mit den VHS-Verband Rheinland-Pfalz und der VHS Cochem Fortbildungen für VHS-Kursleiter angeboten, die multimediale EDV-Lernsoftware einsetzen wollen. In die gleiche Richtung geht auch eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Landesinstitut für Schule und Weiterbildung in NRW für HPM aus dem Ruhrgebiet. Ebenso hat das DVV-Netzwerk in Kooperation mit dem Sprachenlernsoftwareanbieter Speak ein Feldversuch zum Einsatz der Sprachlernsoftware Rosetta Stone initiiert, an dem sich bundesweit ca. 20 VHS beteiligen. Ein Informationsbedürfnis befriedigt auch das vom DVV-Netzwerk herausgegebene Gutachten zu multimedialen EDV-Lernprogrammen. Geplant ist zudem auch die Einrichtung eines Arbeitskreises für VHS, die multimediale Lernsoftware bereits einsetzen. Ebenso interessant ist ein neues Angebot der VHS Nürnberg mit dem Konzept "Onlinetrain". Hier soll Kursteilnehmern nach Kursende ein internetbasierte "Hotline" rund um Fragen zum Einsatz von Anwenderprogrammen zur Verfügung gestellt werden.

Quelle: Der Kongressbericht basiert auf einen Artikel in: Wirtschaft und Berufserziehung 6/98.

VHS Brunsbüttel entwickelt Modul-Qualifikationssystem

Seit Herbst 1998 bietet die VHS Brunsbüttel das innovative modulare Bildungsbaukastensystem "MOSAIK" an. Der Netzwerkinfodienst sprach mit der für die Entwicklung des neuen Systems zuständigen Fachbereichsleiterin Elke-Heidrun Schmidt über den neuen Weg in der Aufstiegsfortbildung.

Infodienst: Frau Schmidt, können Sie uns kurz die Grundzüge ihres neuen Konzepts erläutern?

Elke-Heidrun Schmidt: Im Rahmen unseres Systems wollen wir Teilnehmern die Möglichkeit zur Erlangung verschiedener Weiterbildungsabschlüsse in Modulform bieten. Das Modulsystem erlaubt es, Teilnehmer mit unterschiedlichen Bildungsabschlußzielen zeitweilig in bestimmten Fortbildungsabschnitten zusammenzufassen. Der Vorteil für Teilnehmer und VHS liegt auf der Hand: Wir vermeiden durch dieses System Kursabsagen. Das war ja unser großes Problem in der Vergangenheit. Die Nachfrage nach den qualifizierten Langzeitmaßnahmen der Kammern nimmt ja nicht gerade zu. Zudem haben die Kammern nun auch zahlreiche neue Abschlüsse kreiert. Diese erfreuliche Tatsache führt auf der anderen Seite aber auch zu einer weiteren Zersplitterung der Nachfrage. In der Konsequenz hieß das für uns, daß es immer schwieriger wurde, wirtschaftlich tragfähige Kursgrößen zu bekommen.

Im Rahmen unseres neuen Systems absolvieren nun Menschen mit unterschiedlichen Abschlußzielen zeitweilig gemeinsam Fortbildungsabschnitte; natürlich müssen das die jeweiligen Rahmenstoffpläne hergeben. Wir haben ja seit langer Zeit den Technischen Betriebswirt (IHK), den Industriefachwirt (IHK) und Handelsfachwirt (IHK) ausgebildet und festgestellt, daß diese Fortbildungsgänge sehr viele Gemeinsamkeiten aufweisen. Dies hat dazu geführt, daß wir zunächst diese Fortbildungsgänge in handliche Module zerlegt haben.

Danach haben wir dann die Lehrgänge zum(r) Sekretariatsfachkaufmann/-frau (IHK), zum(r) Handelsassistenten/in (IHK) und zum(r) Finanzbuchhalter/in (VHS) modularisiert. Es war natürlich sehr schwierig, diese einzelnen Rahmenpläne in handliche Kursmodule aufzuteilen und dann zeitlich so zu plazieren, daß jeder Interessent die notwendigen Kursabschnitte belegen konnte.

Für die Kursteilnehmenden und für uns ergeben sich aber jetzt auch weitere Vorteile. Hatte ein Kurs bereits begonnen, mußte ich eventuell später auftauchende Interessenten auf einen im nächsten Jahr beginnenden neuen Kurs verweisen. Das hat bei unseren Kunden natürlich nicht gerade Begeisterung ausgelöst. Mit der Modularisierung kann ich nun auch Quereinsteigern einen nahezu sofortigen Einstieg in die Fortbildung offerieren. Das macht nun für uns und für den Teilnehmenden eine Fortbildung "just in time" möglich.

Aber auch Teilnehmende, die gar nicht einen langfristigen Lehrgang belegen wollen, können nun je nach Interesse einzelne Kursmodule buchen.

Infodienst: Können Sie schon etwas zur Resonanz sagen?

Elke-Heidrun Schmidt: Natürlich können wir noch kein abschließendes Urteil fällen. Aber die Kurse werden laufen. Zudem fällt einigen von unseren Teilnehmern auch aus finanziellen Gründen der Einstieg leicht. Sie können nun zunächst einige Module belegen und bezahlen und müssen sich nicht direkt persönlich und finanziell an einen langfristigen Lehrgang binden. Die Nachfrage konzentriert sich allerdings auf die Lehrgänge zum Technischen Betriebswirt und den Industriefachwirt.

Leider werden die Fortbildungen für den Handel nicht so stark angenommen. Das liegt aber eindeutig daran, daß die Kurszeiten, die wir anbieten können, immer noch nicht den Bedürfnissen der Menschen in dieser Branche entsprechen.

Lassen Sie mich abschließend noch auf eine für die Teilnehmenden positive Seite hinweisen: Die Modularisierung führt auch dazu, daß die Kursplanung sehr transparent wird und die Teilnehmenden nun genau wissen, zu welchem Zeitpunkt ein neuer Lehrgangsabschnitt beginnt.

Ansprechpartnerin: VHS Brunsbüttel, Elke-Heidrun Schmidt, Tel.: 04852 / 512 22

Nachrichten, Tips, Lesenswertes

Neuordnung der EU-Strukturfonds

Wie schon im Infodienst 1/98 gemeldet werden die EU-Strukturfonds ab dem Jahr 2000 neu strukturiert. Für den Bereich der Bildung ist dann in erster Linie das neue (horizontale) Ziel 3 "Unterstützung der Anpassung und Modernisierung der Bildungs-, Ausbildungs-, Beschäftigungspolitiken und –systeme" relevant. Die Vorschläge für die Strukturfondsverordnungen, eine Begründung sowie eine vergleichende Darstellung der alten und neuen Strukturfondsziele sind unter http://europa.eu.int/com/dg16/document/doc1g_en.htm abrufbar.

DIHT und Verband der Privatschulen kooperieren

DIHT und VDP haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, die die Weiterbildungsaktivitäten der deutschen Kammerorganisationen und der dem VDP angeschlossenen Einrichtungen der Erwachsenenbildung miteinander verknüpfen soll. Die Grundsätze der Partnerschaft sind in einer Publikation dokumentiert.

Bezug: DIHT, Abt. Information, Adenauerallee 148, 53113 Bonn, Fax: 0228/104633, Preis 6,90 DM

IHK qualifizieren Call Center agents

Nach Angaben von Branchenkennern wächst die Zahl von Call-Centern jährlich um ca. 25%. Call Center können von Kunden über eine Servicenummer telefonisch oder online direkt erreicht werden. Die in den Call-Centern arbeitenden "Agents" verfügen über eine besondere Qualifikation, die in einer IHK-Weiterbildung erworben werden können. Der Lehrgang besteht aus fünf Modulen (Moderne Informationsverarbeitung, Die neue Dienstleistung "Call Center", Service und kundenorientierte Kommunikation, Arbeitsplatzorganisation, training on the job). Der gesamte Lehrgang umfaßt maximal 240 UE.

Quelle: Informationen zur Weiterbildung Nr. 2/98

Sprachen lernen am Computer

Das Weiterbildungmagazin ManagerSeminare hat eine Untersuchung zu Computersprachlernprogrammen in Auftrag gegeben und berichtet im Heft 32/98 über Ergebnisse. Untersucht werden sowohl Lernprogramme von traditionellen Lehrbuchanbietern wie Klett und Hueber als auch Produkte von "Neulingen" wie Eurokey. Eingegangen wird auch auf die Möglichkeit des Internet-Lernens. Interessant die Internetadresse http://ourworld.compuserve.com/homepages/joschu. Dort können Internet-Nutzer unterschiedliche Sprachtests herunterladen.

Quelle: ManagerSeminare, III. Quartal 98, Heft 32

2000 Bildungsurlaubschancen im Internet

Auf Initiative des DGB-Bildungswerks NRW, des Landesverbands der VHS / NRW und von Arbeit und Leben wurde in Kooperation mit dem Amt für Weiterbildung der Stadt Köln ein Internetservice für Bildungsurlaubsinteressierte in NRW eingerichtet. Der potentielle Bildungsurlaubsteilnehmer kann unter 2000 Angeboten verschiedener Träger mit Hilfe eines komfortablen Hilfsprogramms auswählen.

Quelle im Internet: www.Bildungsurlaub.de

Betriebliche Weiterbildung: Mehr, Kürzer, Billiger

Nach einer Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft haben 1995 mehr Teilnehmer als je zuvor an einer Weiterbildungsmaßnahme im Betrieb teilgenommen. Reduziert wurden allerdings der Zeitaufwand und die Kosten je Mitarbeiter. Die Zahlen im Detail (in Klammern die Vergleichsdaten von 1992): Anzahl der Teilnehmer: 754 je 1000 Beschäftigte (666), Zeitaufwand je Teilnehmer 18,5 Stunden (30 Stunden), Ausgaben je Mitarbeiter 1670 DM (1924 DM).

Quelle: Wirtschaft und Berufserziehung, Zeitschrift für Berufsbildung, 4/98

Qualitätssicherung in der Benachteiligtenförderung

Die Umstellung des Vergabeverfahrens in der Berufsausbildung von benachteiligten Jugendlichen (§§235, 240-246 SGB III) von der freien Vergabe zur Ausschreibung der Maßnahmen hat der Debatte um die Qualität in Ausbildungsmaßnahmen einen neuen Schub gegeben. Die IBV-Publikation "Qualitätssicherung in der Benachteiligtenförderung" reflektiert die Überlegungen eines Fachbeirats, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen Qualitätsleitfaden zu entwickeln, an dem sich die Vergabe von Maßnahmen zukünftig orientieren soll.

Quelle: Informat. f.d. Beratungs- und Vermittlungsdienste d. Bundesanstalt (ibv), Nr. 32/98, S. 3097 ff.

DIE: Volkshochschul-Statistik zum Programmbereich Arbeit und Beruf 1997

Das DIE bietet mit dem Konzept der Zusammenstellung programmbereichbezogener statistischer Daten einen neuen Service an. Aus dem Inhalt: Bundesländer und BRD Tabellen und Grafiken 1997 zu Veranstaltungen, Unterrichtsstunden und Belegungen ab 1991, Zeitorganisation, Geschlechts- und Altersverteilung, ab 1991, Kurse für Zielgruppen. Die Daten werden wie gewohnt als gedruckte Arbeitsmappe (20 DM) und in Dateiform (30 DM, Excel) angeboten.

Bezug: DIE e.V., Herr Pehl, Tel.: 069/95626132, Bestellfaxservice: 069/95626206

VHS-Verband startet Kampagne für das 8 x 8 der Betriebswirtschaft

Der Landesverband Baden-Württemberg hat eine neues Kurskonzept unter dem Titel 8 x 8 der Betriebswirtschaft vorgestellt. In 64 UE soll in kompakter Form grundlegendes Einstiegswissen vermittelt werden. Neben einer Beschreibung der Lernziele und Inhalte wurde auch umfangreiches Begleitmaterial für Teilnehmende und für die Werbung (farbige Plakate und Flyer) entwickelt.

Bezug: Landesverband Baden-Württemberg, Winfried Schulz, Tel.: 0711/75900-32, FAX: 0711/75900-41

Lotus-Software für VHS jetzt günstiger

Der DVV hat mit der Firma Lotus ein Abkommen zum Bezug günstiger Lotus-Software geschlossen. Nach dem sogenannten Total Campus Option Vertrag können VHS drei Jahre lang zum Preis von 24 DM pro Rechnerarbeitsplatz die gesamte Palette der gängigen Lotus-Produkte (inkl. Notes) nutzen.

Infos und Bezug: Cobra GmbH, Herr Kneier, Tel: 07531/89236-16, Fax: 07531/89236-22

CD-ROM VHS Collection Online 1.0 stößt auf große Resonanz

Parallel zum neuen bundesweiten Kurzkonzept Online-Publishing wurde eine CD-ROM entwickelt, die umfangreiche Software und Materialien für Kursleiter und Teilnehmer enthält. Die CD-ROM mit Label im VHS-Design wurde so konzipiert, daß sie nicht nur in Online-Publishing-Kursen, sondern in allen Kursen rund um das Thema Internet eingesetzt werden kann. Die Kosten liegen zwischen 14,90 DM für Einzelstücke und 9,90 DM für 20 und mehr Exemplare.

Bezug und Info: DVV-Netzwerk, Doris Hirschmann, 069/95626282, Fax-283, Kosten

DVV-Netzwerk und Kooperationspartner bieten an

Die Firma ets bietet die KHK Classic-Line 97 für 460 DM als Standortlizenz an. Die KHK-Classic-Line Windows kostet 990 DM pro Jahr (inkl. 1 Jahr Update und Handbücher).

Zusätzliche Standortlizenzen: Die Module der KHK Office Line Fibu, Anlagenbuchhaltung, Auftrag, Lohn- und Gehalt kosten jeweils DM 849,00. Das Netzwerk bietet an: Imagebroschüre, Werbeplakate zur beruflichen Weiterbildung, Leitfaden für Kursleiter und Organisatoren zum neuen bundesweiten Lehrgang Büro- und Telekommunikation (Online-Führerschein, 25,80 DM, 50 Seiten) Zum gleichen Preis gibt’s den neuen Leitfaden für Kursleitende zum Lehrgang Präsentation (mit Powerpoint), Umfang ca. 80 Seiten.

Infos: Bernd Passens, DVV-Netzwerk, 069/95626182/ Fax: -283